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IX. Wie Sie eine systematische ökofaire Beschaffung einfach implementieren

© Adobe Stock/milatas

Möglichst sparsam, nachhaltig und wirtschaftlich einkaufen – diese übergreifenden Ziele stehen im Fokus dieser Broschüre. Aber wie gelingt es am einfachsten, die Beschaffung systematisch und dauerhaft umzustellen? Diese Tipps helfen Ihnen garantiert:

1. Suchen Sie sich Verbündete

„Ökofair einkaufen“ – das betrifft jede und jeden in Ihrer Organisation! Deshalb hilft es, wenn sich möglichst viele engagieren. Außerdem steigt so die allgemeine Akzeptanz und es kommen mehr Ideen zusammen.

  • Bilden Sie ein Umwelt-Team und beziehen Sie dabei Ihre Leitung mit ein.
  • Wenn das nicht möglich ist: Stellen Sie sicher, dass Ihre Leitung den ökofairen Einkauf nicht nur aktiv unterstützt, sondern das auch nach innen und außen kommuniziert.

2. Erklären Sie anderen den Zugewinn

Schreiben Sie genau auf, was die Umstellung Ihrer Organisation für Vorteile bringt, und informieren Sie alle Mitarbeitenden darüber zum Beispiel per E-Mail oder im Gemeindebrief: 

  • Warum ist es für Ihre Gemeinde bzw. kirchliche Einrichtung wichtig, ökofair einzukaufen?
  • Werden dadurch neue Mitglieder angesprochen?
  • Gibt es weitere Menschen in Ihrer Organisation, denen Umwelt- und Klimaschutz sowie ökofairer Einkauf wichtige Anliegen sind (Jugendvertretung, Elternschaft der Kita, Einzelpersonen, die sich im Umwelt- und Naturschutz engagieren) und die schon lange darauf warten, dass sich hier etwas tut?
  • Können Sie das Profil Ihrer Einrichtung in der Öffentlichkeit stärken?
  • usw.

3. Erkennen Sie Strukturen

Stellen Sie sicher, dass Ihre Organisation die richtigen Strukturen für einen systematischen ökofairen Einkauf aufweist. Im ersten Schritt erstellen Sie dazu eine Liste mit den benötigten Produkten und den dafür zuständigen Einkäufer*innen. Anschließend beantworten Sie folgende Fragen:

  • Was können Sie tun, um den Kolleg*innen das ökofaire Einkaufen einfach zu machen?
  • Wer genehmigt die eventuell höheren Kosten?
  • An welchen Stellen sind Leitungsbeschlüsse und Kontrollschritte nötig?

4. Stellen Sie einen Maßnahmenplan auf

Legen Sie per Plan fest, welche Produkte Sie in Zukunft ökofair einkaufen wollen, welche Kriterien dabei wichtig sind und wo Sie einkaufen wollen.

  • Lassen Sie diesen Plan durch einen Leitungsbeschluss legitimieren. 
  • Weisen Sie die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen in den Maßnahmenplan ein.

5. Seien Sie undogmatisch

Ideologische Grabenkämpfe waren gestern – jeder Erfolg zählt!

  • Regionale und saisonale Lebensmittel vom Direktvermarkter nebenan können genauso gut sein wie organisch-biologisch erzeugte Produkte, die von weiter her kommen.
  • Der Gemeindebrief auf Recyclingpapier ist genauso gut wie jene Variante, die mit lösungsmittelfreien Druckerfarben auf Frischfaserpapier entsteht.

6. Feiern Sie Ihre Erfolge!

Stellen Sie Ihre Erfolge immer wieder deutlich heraus – und nicht unter den Scheffel: 

  • Erwähnen Sie Ihre ökofairen Maßnahmen zum Beispiel im Gemeindebrief, in der Presse und bei Festreden.
  • Machen Sie dazu eine Dauerausstellung im Foyer.
  • Vergessen Sie dabei nicht, auch Altbewährtes zu erwähnen – wie den Gebrauch von Mehrweggeschirr inklusive Spüldienst oder die Abfalltrennung. 

7. Greifen Sie auf Bewährtes zurück

Erfinden Sie nicht alles neu, sondern nutzen Sie die langjährigen Erfahrungen anderer:

  • Neben dem Einkaufsportal www.wir-kaufen-anders.de (siehe Kasten) gibt es weitere empfehlenswerte Informationsquellen.
  • Die Webseite kompass-nachhaltigkeit.de der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) hilft mit Textbausteinen bei der ökofairen Ausschreibung, gibt Orientierung im Gütezeichen-Dschungel und listet ökofaire Unternehmen.
  • Auf der Webseite zukunft-einkaufen.de der ökumenischen Beratungs- und Netzwerkstelle zum nachhaltigen Einkauf finden Sie einen Leitfaden „Ökofaire Beschaffung“. Er beinhaltet einen gut strukturierten Prozess in fünf Schritten und umfangreiches Material zur Umsetzung. 

8. Holen Sie sich Motivation und Impulse von außerhalb

B. Specht, G. ApitzschDas Repair Café vom Dekanat Mainz
  • Besuchen Sie mit Kolleg*innen einen Fachtag zum ökofairen Einkauf oder laden Sie Fachreferent*innen vom Zentrum Gesellschaftliche Verantwortung oder vom Zentrum Ökumene der Landeskirche ein.
  • Fahren Sie mit Ihrem Umwelt-Team zu einer zertifizierten Tagungsstätte und machen Sie einen Praxis-Check.
  • Informieren Sie sich über mögliche Zertifizierungen – zum Beispiel als „Faire Gemeinde“ oder „Grüner Hahn“.
  • Arbeiten Sie mit örtlichen Kooperationspartnern zusammen und holen Sie sich deren Expertise ins Haus. Dazu gehören Fairtrade-town-Gruppen und entwicklungspolitische Bildungsträger.  

Praxisbeispiele

Das Einkaufportal wir-kaufen-anders.de hat neben dem Online-Shop einen Informationsteil mit wertvollen Praxisbeispielen aus anderen Gemeinden und Einrichtungen. Dazu gehören:

Beschaffungsleitlinien (zum Beispiel der Petrusgemeinde Leipzig), Einsatz von Elektrofahrzeugen und      Maßnahmen zur CO2-Einsparung mithilfe des „Grünen Hahns“.

Tipps

Sie suchen nach weiteren Ideen, wie Sie das nachhaltige Einkaufen Ihren Kirchenmitgliedern näherbringen?

Richten Sie ein Repaircafé ein – wie zum Beispiel das Dekanat Mainz repaircafemainz.de

Gründen Sie eine Verleihbörse – wie zum Beispiel depot-leipzig.de

Bieten Sie kleine Workshops beispielsweise zum Upcycling oder zum plastikfreien Einkauf an. 

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