Menümobile menu

5 starke Argumente

II. Warum überhaupt nachhaltig einkaufen?

Von der Beachtung christlicher Grundwerte über volkswirtschaftliche Faktoren bis zur Vorbildfunktion der Kirche – für den Einkauf von umweltfreundlichen sowie fairen Waren und Dienstleistungen gibt es sehr gute Argumente. Die Wichtigsten im Überblick: 

1. Schöpfung bewahren und Nächstenliebe leben

Mit jedem Einkauf von Produkten und Dienstleistungen unterstützen wir bestimmte Anbau-, Arbeits-, Lebens- und Produktionsbedingungen. Gleichzeitig beinhaltet der christliche Auftrag die Bewahrung der Schöpfung und Nächstenliebe als gelebte Solidarität mit unseren Mitmenschen. Deshalb ist es unverzichtbar, dass wir beim Einkauf die biblische Botschaft beachten. Das macht die Kirche glaubwürdiger und erhöht die Identifikation der Mitglieder mit „ihrer“ Kirche. Folgerichtig gibt es in der EKHN seit 2012 eine synodale „Selbstverpflichtung zum verantwortlichen Konsumverhalten“. Zudem ist der nachhaltige Einkauf ein wichtiger Baustein im Rahmen der Klimaschutzaktivitäten der Landeskirche. 

2. Menschen schützen

Die Menschenrechte werden nach wie vor in vielen Ländern nicht eingehalten. Gleiches gilt für die von den Vereinten Nationen bzw. der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO1) formulierten Arbeitsrechte. Durch den Kauf von fair gehandelten Produkten und die Zusammenarbeit mit sozial verantwortlichen Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern schützt die Kirche gefährdete Menschen – Kinder und Erwachsene – und stärkt eine nachhaltigere Handelsordnung.

3. Volkswirtschaftlich denken

Sind umweltfreundliche und fair gehandelte Produkte teurer als die konventionelle Alternative? Es scheint zumindest so, wenn man die Verkaufspreise vergleicht – und dabei viele „Nebenwirkungen“ für die Allgemeinheit ignoriert. Sie führen später zu volkswirtschaftlichen Kosten. Dazu gehören zum Beispiel die Reinigung von verschmutzten Gewässern, die Armutsbekämpfung und vieles mehr. Außerdem gilt: Gemeinden und Einrichtungen können Einkaufsgemeinschaften bilden, um günstigere Konditionen zu erlangen (siehe dazu Kapitel VIII – Informationen zum kirchlichen Einkaufsportal wir-kaufen-anders.de). Zudem lässt sich Geld sparen, wenn man bei der Wahl der Produkte auf Qualität und Langlebigkeit bzw. Ergiebigkeit achtet.

4. Regionale wirtschaftliche Beziehungen stärken

Wer sich um einen ökofairen Einkauf bemüht, kommt in intensiveren Austausch mit dem Handel bzw. den Produzierenden. Dies stärkt die (regionalen) wirtschaftlichen Beziehungen. Darüber hinaus gilt: „In dem Maße, in dem Konsumenten Güter und Dienstleistungen nachfragen, bei deren Produktion soziale und ökologische Kriterien erfüllt worden sind, die über gesetzliche Vorgaben hinausgehen, können die Unternehmen zur Übernahme von mehr gesellschaftlicher Verantwortung veranlasst werden.“ Die Kirche kann auch auf diesem Weg in die Gesellschaft hineinwirken. 

5. Vorbildlich handeln

Viele Wurzeln des fairen Handels und der Umweltbewegung sind kirchlich geprägt. Allerdings ist die ökofaire Beschaffung mittlerweile auch bei der öffentlichen Hand Thema, gilt als ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung. So haben beispielsweise die Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen in den letzten Jahren entsprechende Gesetze und Vorschriften erlassen. 

© Fairtrade/Jakub Kaliszewski

Wie Sie in der Praxis nachhaltig einkaufen

Aller Anfang ist … tatsächlich leicht! Viele Beispiele aus Kirchengemeinden und kirchlichen Einrichtungen zeigen, dass eine nachhaltige Beschaffung in der Praxis einfach umsetzbar ist. Sind die neuen Prozesse und Abläufe eingeübt, ist kein Mehraufwand erforderlich (mehr dazu in Kapitel IX). Vor dem Start in eine nachhaltige Beschaffung sind drei Fragen zu beantworten:

1. Was brauche ich wirklich?

Die Bedeutung dieser Frage sollte man nicht unterschätzen, denn am umweltfreundlichsten sind jene Produkte, die erst gar nicht produziert werden. In diesem Zusammenhang ist es eine wichtige Option, Dinge auszuleihen oder zu reparieren sowie Gebrauchtwaren zu nutzen – anstatt immer wieder neue Produkte zu kaufen. Tipps dazu finden Sie in Kapitel VI.

2. Woran erkenne ich ökofaire Produkte?

Ob Kaffee, Papier oder Computer – je nach Produkt sind unterschiedliche Nachhaltigkeitsaspekte beim Einkauf besonders relevant. Am einfachsten ist es, wenn Sie sich für Produkte entscheiden, die ein vertrauenswürdiges Gütezeichen tragen. In Kapitel VII sind die wichtigsten Kriterien und empfehlenswerten Siegel für jene Produkte aufgeführt, die im kirchlichen Alltag häufig eingekauft werden. 

Falls es für ein Produkt kein empfehlenswertes Siegel gibt, kann beim Einkauf eine Selbstverpflichtungserklärung angefragt werden, mit der die Nachhaltigkeit des Produkts bestätigt wird. Die Vorlage für solch eine Erklärung finden Sie im Download-Bereich auf wir-kaufen-anders.de.

Wichtig ist außerdem die Frage der ökonomischen Nachhaltigkeit, denn beim Einkauf wird oft nur auf den Kaufpreis geachtet. Wirtschaftlich ist ein Produkt jedoch nur, wenn es über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg – also von der Herstellung über den Gebrauch bis zur Entsorgung – wirklich kostengünstig ist. Was bedeutet das konkret? 

Beispiel Computerdrucker: Einem niedrigen Anschaffungspreis stehen hier oft hohe Kosten für Tintenpatronen gegenüber, die dann zudem nicht lange halten. Wenn zusätzlich die Lebensdauer des Geräts niedrig ist und es nicht repariert werden kann, war die Anschaffung am Ende trotz vermeintlich niedrigem Kaufpreis teurer als nötig.

3. Wo finde ich ökofaire Produkte?

© Adobe Stock/lightpoet

Umweltfreundliche, soziale und faire Produkte finden sich nicht nur im Bio- oder Weltladen. Auch Supermärkte, Elektronik- und Baumärkte führen mittlerweile eine Reihe von nachhaltigen Produkten, die durch vertrauenswürdige Siegel ausgezeichnet sind.

Besonders nachhaltig handeln Sie allerdings, wenn Sie bei Ihrem Einkauf nicht nur umweltfreundliche und soziale Kriterien berücksichtigen, sondern auch regionale Wirtschaftskreisläufe stärken, indem Sie zum Beispiel im Hofladen des ortsansässigen Biobauern oder beim inhabergeführten Fachhandel einkaufen. 

Der passende Einkauf vor Ort ist nicht möglich? Dann ist der kirchliche Online-Shop auf wir-kaufen-anders.de eine Alternative. Seit Mai 2018 können alle ehrenamtlichen und hauptamtlichen Einkäufer*innen der EKHN dieses ökumenische Angebot nutzen. Die einmalige Registrierung genügt. Der Online-Shop führt nachhaltige Produkte verschiedener Händler, mit denen die Kirche Sonderkonditionen ausgehandelt hat. Dadurch sparen Sie im Vergleich zum Listenpreis.

Hier finden Sie empfehlenswerte Siegel zu allen Produktgruppen und bei Bedarf auch die Vorlage für eine Selbstverpflichtungserklärung zum Download wir-kaufen-anders.de.

Gute Erfahrungen aus der Praxis

Nachhaltig einkaufen ist also einfach – aber wie kann man sich das Ganze konkret in der Praxis vorstellen? Einige schöne Beispiele finden Sie hier: 

Gemeindebrief auf Umweltschutzpapier

© FSB/EKIBA

Der Gemeindebrief in der Kirchengemeinde Kirtorf (Dekanat Alsfeld) wird seit einigen Jahren auf einem Umweltschutzpapier gedruckt, das mit dem Blauen Engel ausgezeichnet ist. Pfarrerin Mona Rieg berichtet: „Mit dem Gemeindebrief aus Recyclingpapier sparen wir im Vergleich zum Frischfaserpapier jede Menge Ressourcen: 1.023 Liter Wasser, 88 kWh Energie und 64 kg Holz. Und das vier Mal im Jahr!“

Geschenke aus dem Weltladen

© GEPA - The Fair Trade Company/A. Fischer

Die Gemeindesekretärin der Kirchengemeinde Alzey, Frau Milch, kauft Geschenke für besondere Anlässe in der Regel im örtlichen Weltladen ein. Auch die Küsterin und der Hausmeister besorgen dort für das Kirchencafé und die Veranstaltungen im Gemeindehaus Kaffee und Kekse. Zudem ist die Gemeinde Mitglied bei der Initiative „Fairtrade-Stadt Alzey“.

Reinigungsmittel gemeinsam einkaufen

© Adobe Stock/vectorfusionart

Alle vier Tagungshäuser der EKHN lassen sich nach dem Grünen Hahn zertifizieren – ein gemeinsamer Beschluss. Deshalb bot es sich auch an, beispielsweise beim Einkauf von Reinigungsmitteln zu kooperieren. Nach eingehender Recherche und verschiedener Tests fiel die Entscheidung auf eine umweltfreundliche Produktlinie, die in der Region hergestellt wird. Geschäftsführerin Annette Frenz erläutert: „Durch den gemeinsamen Einkauf haben wir nicht nur den Verwaltungsaufwand reduziert, sondern auch die Kosten – selbst im Vergleich zu unseren bisherigen Produkten ohne Umweltsiegel. Ein Mehrwert ist außerdem, dass sich die neuen Mittel im täglichen Einsatz für die Mitarbeitenden gesundheitsschonend auswirken.“

Altarblumen aus dem Kirchengarten

© Adobe Stock/chihana

Wer überhaupt nicht einkaufen gehen muss, spart viele Ressourcen ein. Das gilt für die Kirchengemeinde Steeden (Dekanat Runkel), wenn der Altar geschmückt wird. Der Grund: Die Blumen wachsen direkt auf dem Kirchengelände. Dort wurden im Rahmen einer Kinderbibelwoche Blühstreifen angelegt, die übrigens auch von Bienen und Schmetterlingen dankbar angenommen werden.

Nachhaltige Büromaterialien-Bestellung

© Adobe Stock/bongkarn

Im Jahr 2012 hat die Kirchenverwaltung in Darmstadt die Lieferung von Büromaterialien neu ausgeschrieben und dabei erstmals Nachhaltigkeitskriterien festgelegt. Seitdem benutzen die Mitarbeiter*innen zum Beispiel Kugelschreiber aus Recyclingmaterial und umweltfreundliche Textmarker, die sie über einen hauseigenen Online-Katalog bestellen. Nina Seelbach, Leiterin des Referats Zentrale Dienste, erklärt: „Trotz der zusätzlichen Anforderungen an den Lieferanten haben wir gegenüber dem alten Rahmenvertrag fast 30 Prozent der Kosten eingespart und Mehrkosten beim Einkauf nachhaltiger Produkte aus anderen Bereichen kompensiert.“

Selbstgemachtes in der Kita

© Adobe Stock/hakase420

Kinder sollten nicht nur eine gesunde Ernährung bekommen, sondern im Alltag auch erfahren, wie Lebensmitteln produziert und zubereitet werden – so definiert Bianca Hartmann wichtige Aufgaben ihrer Arbeit. Sie ist Leiterin der Kindertagesstätte in der Evangelischen Auferstehungsgemeinde Frankfurt-Praunheim, in der 66 Kinder ganztags betreut werden. In der Kita wird jeden Mittag frisch gekocht, die Zutaten bringt ein Bio-Lieferservice aus der Region. Zusätzlich bauen die Verantwortlichen Obst, Tomaten, Zucchini und Kräuter im Kita-Garten zusammen mit den Kindern an und Nachbarn laden die Kindergruppen zum Ernten der Apfelbäume in ihre Gärten ein. In der Kinderküche können die Kleinen dann zum Beispiel selbst Apfelmus und Brot herstellen. Die etwas höheren Kosten für das Küchenpersonal und die Bioqualität der gekauften Lebensmittel tragen die Eltern. Sie sind dankbar dafür, dass ihre Kinder jeden Tag gutes und gesundes Essen bekommen.

Kirche als Vorbild

Die Kirche kann ein Vorbild sein und Menschen dazu motivieren, privat nachhaltig einzukaufen. Die hier beschriebenen Argumente entfalten auf diese Weise eine größere gesamtgesellschaftliche Wirkung – ein lohnenswertes Ziel.

3 Tipps für den Einstieg

Sie möchten schnell und direkt in die nachhaltige Beschaffung einsteigen? Drei einfache Regeln helfen weiter:

  1. Fangen Sie einfach an, wenn Sie etwas Neues anschaffen müssen.

  2. Orientieren Sie sich an den in Kapitel VII vorgestellten Gütezeichen und an den Empfehlungen im Einkaufsportal wir-kaufen-anders.de.

  3. Warten Sie nicht auf die perfekte Lösung. Treffen Sie einfach eine erste Wahl, wenn Sie bei einem Produkt zwischen verschiedenen ökofairen Kriterien abwägen müssen. Beim nächsten Einkauf können Sie sich auf Grundlage Ihrer Erfahrungen neu entscheiden.

Fußnoten

1 In der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) haben sich Regierungen, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften auf Konventionen zum Schutz der Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern geeinigt. Im Zentrum stehen acht völkerrechtlich verbindliche Kernarbeitsnormen.

2 Siehe EKD-Denkschrift „Unternehmerisches Handeln in evangelischer Perspektive“, 2008

to top