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Kandidierende gewinnen- Tipps und Ideen zum Vorgehen

Das „schriftliche Gedächtnis“ aktivieren

Der Personenkreis derjenigen, die Ihnen spontan einfallen, ist schnell erschöpft?
Dann machen Sie an diesem Punkt nicht Halt, sondern aktivieren Sie das „schriftliche Gedächtnis“ Ihrer Gemeinde:
• Tragen Sie die Gemeindebriefe der letzten drei oder vier Jahre zusammen und überlegen Sie, wer zum Gemeindeleben beigetragen hat.
• Fragen Sie im Gemeindebüro nach Teilnahmelisten von den unterschiedlichen Angeboten der Gemeinde.
• Zusammenstellung von Kasualien: Listen von Konfirmandinnen und Konfirmanden, Trauungen, Taufen etc.

Tipp: Tragen Sie alle Unterlagen zusammen. Breiten Sie das Material in einer Kirchenvorstandssitzung aus und laden Sie die Teilnehmenden zum Stöbern ein.
Sie werden erstaunt sein, wie lebendig das „schriftliche Gedächtnis“ plötzlich wird – die Namen bekommen ein Gesicht, werden zu Personen. Und ganz schnell haben Sie den Kreis potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten deutlich erweitert.
Aber: Bitte beachten Sie dabei immer datenschutzrechtliche Begrenzungen.

(EKHN KV-Wahl Heft 2015)

Mögliche Multiplikator*innen nutzen

Überlegen Sie: wer kennt viele Menschen? Denken Sie zum Beispiel an:
• Mitarbeiter*innen im Besuchsdienst
• Leitung einer Diakoniestation
• Leitung von Kindertagesstätten oder Schulen
• Kirchenmusiker/innen
• Menschen mit kommunaler Verantwortung

Fragen Sie diese und lassen Sie sich Empfehlungen für mögliche Kandidaten geben.

(EKHN KV-Wahl Heft 2015)

Fachleute von Fachleuten empfehlen lassen

Gesetzt den Fall, die Bilanzierung hat ergeben, dass Sie den Bereich „Bau und Finanzen“ stärken wollen. Überlegen Sie gemeinsam, ob Sie Personen kennen, die fachlich geeignet wären – zunächst unabhängig von der Konfession. Fragen Sie nun diese Person, auch wenn sie selbst nicht für eine Kandidatur in Frage kommt, ob sie wiederum jemanden kennt, dem sie diese Aufgabe zutrauen würde. So erschließen sich eventuell neue Personengruppen.

(EKHN KV-Wahl Heft 2015)

Rede darüber
Oft werden die Menschen angesprochen, die sich bereits (mehrfach) in der Gemeinde engagieren. In vielen Fällen gibt es aber neben den vertrauten weitere Menschen in der Gemeinde oder vor Ort, die sich engagieren würden (laut Studien etwa 1/3 aller Befragten), die sich engagieren würden, jedoch nicht wissen, wo sie gebraucht werden oder ihre Gaben einbringen können. Manche warten vielleicht nur auf ein Signal oder eine konkrete Anfrage. „Tue Gutes und rede darüber!“ Es ist absolut sinnvoll, immer wieder darüber zu reden, was an ehrenamtlicher Arbeit in der Gemeinde geschieht. Die persönlichen Beschreibungen und Geschichten über schöne Momente im Ehrenamt von lebendigen Menschen sind oft attraktiver und ansprechender als jeder schriftliche Aufruf zum Engagement.

In Anlehnung an „Praxishilfe Ehrenamt“ der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

Reinschnuppern ermöglichen
Haben Sie erste Interessierte gewonnen, bieten Sie doch mal die Möglichkeit reinzuschnuppern. Halten Sie eine öffentliche Kirchenvorstandssitzung ab (ohne vertrauliche und datenschutzsensible Themen wie Personal) und laden dazu in der Gemeinde offen ein. Im Anschluss an die Sitzung können Sie noch ein „Get-Together“ bei Saft und Häppchen anbieten und über die Eindrücke der Gäste und Ihre Erfahrungen im Kirchenvorstand ins Gespräch kommen.

Pat*innen benennen
Wenn alle verantwortlich sind, fühlt sich niemand so richtig verantwortlich und von außen weiß auch niemand an wen er oder sie sich wenden kann oder soll. Das nennt man in der Arbeitspsychologie „Verantwortungsdiffusion“. Es wird diffus und unklar wer wofür zuständig ist. Benennen Sie doch einzelne Menschen, die als Pat*innen für Interessierte agieren und kommunizieren dies nach außen, mit Kontaktdaten und Ansprechzeiten.

Auf der Suche nach Leitung
Wo sehen Sie in Ihrem Umfeld Menschen die leiten?
Es gibt viele Personen, die beruflich Leitungsaufgaben innehaben:
⇒ Denken Sie an Selbstständige, an Personaler*innen, an Bürgermeister*innen, Abteilungsleiter*innen, Filialleiter*innen, Gruppenleiter*innen, Schichtleiter*innen…
Könnten diese vielleicht wertvolle Erfahrungen in den Kirchenvorstand einbringen? 

Andere leiten ehrenamtlich:
Beispielsweise in Vereinen, in Selbsthilfegruppen, in Ortsbeiräten, in Parteien, in Verbänden, in Elternbeiräten, in Fördervereinen, in Umweltorganisationen, in Blaulicht-Organisationen wie der Feuerwehr oder dem THW... Vielleicht mögen diese ihr Engagement ausweiten? Sie könnten mit Ihnen gemeinsam über die ehrenamtliche Leitung und die Möglichkeiten etwas zu verändern und zu bewegen öffentlich berichten? Vielleicht wollen sie auch im Benennungsausschuss mitwirken.

Wissenschaftliche Erkenntnisse nutzen
Studien wie der Freiwilligensurvey zeigen, dass es vor allem drei Typen Engagierter gibt:

Die Geselligkeits- und Personenorientierten
Menschen, die sich überwiegend deshalb ehrenamtlich engagieren, weil sie die Geselligkeit suchen und sich bei der Auswahl des Engagements eher an den Personen orientieren, die sich mit ihnen engagieren oder die leiten, wünschen sich eine direkte, persönliche Ansprache. Ihnen sind feste Ansprechpersonen wichtig, sie wollen Vertrautheit, Gemeinschaft, Spaß und Freude.

Die Werte- und Gemeinwohlorientierten
Engagieren sich Menschen, weil ihnen vor allem das Gemeinwohl und die Werte besonders wichtig sind, können dadurch gewonnen werden, dass man diese Punkte in der Arbeit des Kirchenvorstandes besonders herausstellt. Geselligkeit und soziale Anerkennung sind ihnen nicht so wichtig, sie wollen sich zum Beispiel für andere einsetzen. Die Vertretung der eigenen Interessen steht eher im Hintergrund. Sie brauchen einen großen Handlungsspielraum und nutzen die Organisation als Rahmen ihrer Tätigkeit.

Die Interessens- und Strukturorientierten
Diejenigen, die eher interessensorientiert sind, wünschen sich, das Engagement auch für andere Zwecke in ihrem Leben zu nutzen, vielleicht auch als junger Mensch damit gut vorankommen zu können. Hier ist es wichtig zu betonen, dass sie im Kirchenvorstand Leitungserfahrungen sammeln und diese auch bescheinigt werden können. Die Struktur der Organisation ist hier bedeutsamer als die Personen innerhalb der Organisation. Betonen Sie für diese Personen die Einbindung des Kirchenvorstands in die Gesamtkirche, die möglichen Verantwortungsbereiche (Personal, Bau, Finanzen…) und die Fortbildungsmöglichkeiten.

In der Kirche ist der erste Typ überbetont, die beiden anderen werden eher kritisch beäugt. Es sind jedoch alle drei gleichwertig und gleich wertvoll. Sie tragen zu einer Vielfalt im Ehrenamt bei. 

Die Gründe, warum sich jemand engagiert, sind sehr unterschiedlich.

Kein „Typ“ kommt in Reinkultur vor, es geht um unterschiedliche Gewichtungen. Und doch, so die Behauptung, lässt sich mit diesem Schaubild so manches an Verhaltensweisen in Ihrer Gemeinde gut erklären.

Mehr über das Ehrenamt in Bewegung

Engagement-Potenziale heben

Wirksame Gewinnung von potenziellen Ehrenamtlichen geht nicht „nebenher“, sie benötigt Ressourcen (Kompetenzen, Zeit und Geld)

Zielgruppenanalyse
nutzen Sie im Intranet das Geo-Informationssystem der EKHN!

• Wieviele potenzielle Ehrenamtliche gibt es im Einzugsgebiet?
• Welche Sinus-Milieus sind vorhanden? ⇒ Welche Motive könnten die potenziellen Ehrenamtlichen in sich tragen, um sich mit Ihrem Angebot zu befassen?

Fragen die Sie sich dabei stellen können:
• Wem hören die potenziellen Ehrenamtlichen zu?
• Wie sind die Bewegungsradien der potenziellen Ehrenamtlichen?
  (Arbeitsort, Arztbesuche, Vereine…), denken Sie über Ihren Kirchturm hinaus
• Wo haben Sie Kontakt zu der Kirche verbundenen Menschen? Konfi- oder Kita-Eltern, Angehörige von Bewohner*innen in Pflegeeinrichtungen…

Nutzen Sie Zielgruppenmagnete, machen Sie Zielgruppen zu Gästen, Event-Inhalte zu Gesprächsthemen und machen Sie PR dafür
• Musikinteressierte: Öffentlicher Samstags-Jazzbrunch (z.B. mit der Musikschule)
• Beispiel Vorlesende und Autor*innen: Literaturcafé 

Locken statt fordern, Angebote machen, statt appellieren, zielgruppenspezifische, kreative Angebote machen,

• Etwas verschenken und darüber kommunizieren
• Erwerbslosen und Menschen mit Behinderung Möglichkeiten geben ihre Fähigkeiten einzubringen
• Die Aktivierung von Migrant*innen unterstützen
• Kennenlernen der aktuellen Kirchenvorstands-Mitglieder ermöglichen
• Schnupper-Kirchenvorstandssitzung anbieten
•  Erzählen Sie Geschichten, das lockt mehr als einfache Anfragen

Den Nutzen für die potenziellen Ehrenamtlichen herausstellen
• In der Ausschreibung auch den Nutzen benennen
• Beschreiben, welche Kompetenzen notwendig sind und welche weiterentwickelt werden können
• Haltung und Selbstverständnis der Kirchengemeinde als „Anbietende“, mit klarem Profil
• Kompetenzen die im Ehrenamt erworben werden können darstellen
• Einflussmöglichkeiten des Kirchenvorstandes selbstbewusst zeigen

Vielfalt der Kommunikationskanäle beherrschen und nutzen
Zusammenarbeit mit Infrastruktureinrichtungen zur lokalen Engagementförderung entwickeln (Freiwilligenagenturen vor Ort)

10 Tipps zur Kommunikation 

1. Selbstbewusstsein aufbauen
Selbstreflexion: Wer sind wir und was können nur WIR richtig gut? (sich von anderen abheben, einzigartig sein, Alleinstellungsmerkmal definieren)

2. Spannende Inhalte erzeugen
Analyse: WAS haben wir zu sagen? Welche Geschichte können wir den Menschen erzählen, die Interesse weckt und leicht verständlich ist? 

3. Zielgruppen definieren
Analyse: WEN brauchen wir wofür? Wer kann uns bereichern? Wer ist hilfreich für unsere Aufgaben?

4. Anknüpfungspunkte identifizieren
Einschätzung: Was haben die Angesprochenen davon mir zuzuhören? Wo „docken“ sie an? Was haben sie mit meinem Anliegen zu tun? 

5. Die richtige Ansprache wählen
Einschätzung: Wie kommuniziert meine analysierte Zielgruppe am liebsten?

6. Auf den Punkt formulieren
Handwerk: Nicht „drumherum“ reden, sondern klar, konkret, authentisch, freundlich, nachvollziehbar das formulieren was ich zu sagen habe. 

7. Anerkennungskultur pflegen
Überlegung: Jede Mitarbeitenden-Gewinnung ist ein „Geben und Nehmen“. Wie kann meine Form der Anerkennung aussehen und wie kann ich sie attraktiv machen?

8. Professioneller Gesamteindruck
Handwerk: zeitgemäß und aktuell nach außen auftreten, Webseite, Flyer… anpassen. Modernes auftreten bedeutet aktuell zu sein.

9. Kommunikationsstrategien entwickeln
Planung: früh genug anstehende Anlässe kommunikativ planen. Botschaft, Zielgruppe, Medium und Maßnahme benennen und ganz gezielt kommunizieren.

10. Spaß haben
Philosophie: Wer Freude ausstrahlt, bekommt Freude zurück!

In Anlehnung an das Handout von Kerstin Müller, tausend3 – büro für positive kommunikation

Kommunikationsarbeit planen!

WAS möchte ich kommunizieren?
• Brauche ich dauerhaftes Engagement?
• Brauche ich bestimmte Kompetenzen?
• Brauche ich Personen mit bestimmten Merkmalen?
• Brauche ich Personen mit Leitungserfahrung?
• Sollen die Personen besonders fromm sein?
• Was sind die Aufgaben im Kirchenvorstand?
• Wie ist der Umfang des Engagements?
•  …

WEN möchte ich erreichen?
• Will ich Jugendliche erreichen?
• Oder junge Erwachsene?
• Erwachsene im mittleren oder hohen Alter?
• Männer oder Frauen?
• Schon Aktive oder Noch nicht Aktive?
•  …

WIE kommunizieren die?
• Visuell (TV, YouTube, Flyer, Poster…)
• Auditiv (Radio, Podcast…)
• Print (Zeitung, Flyer, Bericht, Postkarte, Schaukasten…)
• Online (Facebook, Instagram…)
• Crossmedial (alle Medien)
• Persönlich (Mund-zu-Mund, Infostand, Messe…)
• Konservativ (klassische Ansprache)
• Unkonventionell (provokante Ansprache)
• Kann ich Gruppen bilden?
    ⇒  Jugendliche = Visuell + Online + Unkonventionell
    ⇒   Mitglieder = Konventionell + Online + Print
    ⇒   …

Welche Medien brauche ich?
• Ausführlicher Text (Einladungen, Gemeindebrief…)
• Kurztext (Pressetext, E-Mail, Webseite…)
• Teaser (Poster, Flyer, Newsletter, Blog…)
• Slogan (Poster, Flyer, Webseite)
• Bilder (Poster, Flyer, Webseite, Instagram, Schaukasten…)

In Anlehnung an das Handout von Kerstin Müller, tausend3 – büro für positive kommunikation

WO für Kandidierende werben?

Eine Ideensammlung zum eigenen Ergänzen und Auswählen

In der Gemeinde:
• Bei den Abkündigungen
• Nach dem Gottesdienst
• Beim Kirchencafé
• Im Gemeindebrief
• Auf der Kirchengemeinde-Homepage
• In den Gruppen (Konfirmandenunterricht, Frauencafé, Chor…)
• Bei kirchlichen Veranstaltungen (Gemeindefest, Konzert…)
• In Gremiensitzungen (mit extra Tagesordnungspunkt)
• Bei Tag / Nacht der offenen Kirche
• In der KiTa der Gemeinde
• Bei gesonderten Infoveranstaltungen
• Mit Rundschreiben
• Per E-Mail (z.B. „PS: Wir suchen…“)
• Bei Besuchen
• Bei Ehrenamtstreffen
• Durch Multiplikator*innen in der Gemeinde
•  …

Außerhalb der Gemeinde:
• Anzeige in der Lokalzeitung
• Kontakt zur Lokalpresse mit Idee eine Reportage über die kirchliche Leitungsarbeit zu machen
• Öffentliche, kommunale Veranstaltungen, z.B. mit Gemeindestand beim Straßenfest
• Öffentliche Podiumsdiskussion
• Aushang an Schulen, Volkshochschulen, Läden, Tankstellen, bei Ärzten, Friseurläden
• Bei Begegnungen im Supermarkt
• Homepage der Kommune
• Social Media (facebook…)
• YouTube Video
• Kino
• Radio
• Mit Freiwilligenagenturen zusammenarbeiten
• Ehrenamts-Suchmaschinen
• Apps zum Matching von Ehrenamt und Einsatzstellen
• Stand bei Ehrenamtsmessen
•  …

In Anlehnung an das Handout von Kerstin Müller, tausend3 – büro für positive kommunikation

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