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Ehrenamtliche gewinnen und begleiten

Sechs „Bs“ für Freiwilligenmanagement:

Bewerben. Beginnen. Beteiligen. Begleiten. Bedanken. Beenden.

Von Ina Wittmeier, Ehrenamtsakademie der EKHN

Die Ehrenamtsakademie der EKHN unterstützt Kirchengemeinden in der Gewinnung und Begleitung Ehrenamtlicher. Dafür nutzt sie das Konzept der sechs „Bs“ des Freiwilligenmanagements, die als Merkworte für die einzelnen Aufgabenfelder stehen. Im Folgenden finden Sie dazu passende Fragen und Tipps zur Umsetzung.

Bevor man mit der Arbeit mit Ehrenamtlichen anfängt, muss man zunächst „das Haus richten“. Dazu gehört, dass z.B. Versicherungen, Rechtsfragen, Ressourcen und Datenschutzangelegenheiten geklärt werden müssen. Nun sind Kirchengemeinden ja keine Anfängerinnen in Sachen Ehrenamt und in den Landeskirchen ist das Haus schon gut gerichtet. Dennoch ist es wichtig, dass die Verantwortlichen in den Gemeinden (die Kirchenvorstände) über die Rahmenbedingungen informiert sind, um sie entsprechend anwenden zu können. Ein gutes Freiwilligenmanagement in Kirchengemeinden gelingt dann, wenn die sechs „Bs“ in Balance sind und die Haltung fördernd ist. 

Bewerben

Wie bewerben Sie sich um die Zeit der potenziellen Ehrenamtlichen?

Überlegen Sie sich wie und wo Ihre Zielgruppe zu erreichen ist. Passen Sie Ihre Sprache an und erzählen Sie Geschichten. Stellen Sie den Gewinn eines Ehrenamtes bei Ihnen in den Vordergrund. Übrigens: Sie dürfen auch über den Tellerrand Ihrer (Kern-)Gemeinde denken, Ehrenamtliche müssen i.d.R. nicht Kirchenmitglied sein.

Wie können sich Ehrenamtliche bei Ihnen bewerben?
Seien Sie offen für neue Anregungen. Bieten Sie Möglichkeiten an vorhandene Gaben einzubringen. Damit können Angebote entstehen, an die Sie vorher gar nicht gedacht haben, z. B ein Gottesdienst mit Gebärdensprache-Übersetzung.

Beginnen

Wie wird der Anfang einer Ehrenamtlichen Tätigkeit gut gestaltet?

Lernen Sie sich kennen und stimmen die Rahmenbedingungen ab, dazu zählen vielleicht lästige Formalitäten aber auch das Ausloten von Handlungsspielräumen und gegenseitigen Erwartungen. Zeigen Sie Ihre Gemeinde, stellen Sie die Personen vor, beantworten Sie Fragen. Ein Einführungsritual könnte ein einem Gottesdienst mit Segen für den zukünftigen ehrenamtlichen Weg sein. Vereinbaren Sie doch eine Schnupperphase oder eine begrenzte Dauer des Ehrenamtes, denn: wer aufhören darf, fängt leichter an.

Beteiligen

Wie steht es um die Partizipation in der Kirchengemeinde?

Ehrenamtliche sind ein Part des Ganzen und übernehmen Verantwortung. Warum sollten sie also nicht einen Generalschlüssel haben? Eine Gemeinde in Berlin will damit das Bild der Gemeinde als Zuhause vermitteln, zu der keine geschlossenen Türen passen. Die Räume werden von allen genutzt, wenn also mal eine Renovierung ansteht, kann der Kirchenvorstand alleine entscheiden wie es nachher aussehen soll, oder einen Beteiligungsprozess starten und die Betroffenen nach ihren Wünschen, Bedarfen und Ideen fragen.

Begleiten

Wer steht den Ehrenamtlichen zur Seite?

Benennen Sie konkrete Ansprechpersonen die eine Beziehung zu den Ehrenamtlichen aufbauen. Es sollte immer wieder Kontaktflächen zum Austausch und zur gegenseitigen Rückmeldung geben. Als Hauptmotiv für ein Engagement geben die Meisten an Spaß haben zu wollen. Gestalten Sie das Ehrenamt so, dass es Freude bringen kann. Die Kündigungsfrist im Ehrenamt ist EINE Minute. Es ist also die Aufgabe der Gemeinde Bindung und gute Rahmenbedingungen zu schaffen und auch im Konfliktfall Angebote zur Unterstützung bereit zu stellen.

Bedanken

Wie ist es um die Anerkennungskultur in Ihrer Gemeinde bestellt?

Viele Ehrenamtliche ziehen ihren Dank aus der Tätigkeit, Anderen ist eine Bescheinigung oder eine Urkunde wichtig, alle wollen gesehen werden. Selbstverständlich sollten Auslagen erstattet werden. Als Dank muss es nicht immer ein Geschenk sein, danken Sie doch mal im Gottesdienst für die Zeitspenden der Ehrenamtlichen oder schreiben Sie einen Artikel über das vielfältige Engagement in Ihrer Gemeinde. Auch ein Fest oder Ausflug kann in unterschiedlichen Formen Dank ausdrücken: man könnte dies so gestalten, dass niemand ehrenamtlich aktiv sein muss oder dass einzelne Gruppen das Event für die Anderen gestalten und im nächsten Jahr die Aufgabe wechselt.

Beenden

Wird das Ende aktiv und gut gestaltet?

Das Ende eines Ehrenamtes kann darin begründet sein, dass die vereinbarte Dauer endet, oder es kann von Seiten der Ehrenamtlichen oder der Gemeinde beendet werden. Führen Sie ein Abschlussgespräch, in dem Sie sich gegenseitig Rückmeldung geben und vereinbaren, ob und wie Sie weiter in Kontakt bleiben möchten. Darüber hinaus könnte es eine Verabschiedung in einem Gottesdienst geben – für Einzelne oder Mehrere die ihr Ehrenamt beenden, das kann einmalig geschehen oder regelmäßig (dann ist das Ende etwas sanfter).

Nicht alle Kirchengemeinden müssen in allen Feldern exzellent sein, suchen Sie sich vielleicht eines der „Bs“ aus, in dem Sie sich in der Zukunft verbessern möchten oder setzen Sie einzelne Anregungen um, je nach Ihren Kräften und dort wo Ihr Herz schlägt. Dann bringt Freiwilligenmanagement für alle Freude.

Ina Wittmeier ist Diplom Pädagogin und Arbeitspsychologin und seit 2013 Referentin der Ehrenamtsakademie der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Kontakt über Website 

Mehr zum Thema finden Sie hier in der „Materialsammlung Freiwilligenmanagement“ der Ehrenamtsakademie 

Der Artikel erschien zuerst in: „Gemeinde leiten. Orientierung und Impulse für Kirchenvorstände, Kirchengemeinderäte, Presbyterien, Kirchenälteste“, Ausgabe 3/2019. Mehr Informationen dazu

 

 

 

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