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Gedanken zu Himmelfahrt

„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“

EKHN/RahnDer Himmel über der Pauluskirche in DarmstadtDer Himmel über der Pauluskirche in Darmstadt

Auf Distanz dennoch verbunden bleiben: Das ist das Thema in der Coronakrise. Das ist aber auch genau das Thema von Himmelfahrt, erklärt Stellvetretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf in ihren Gedanken zum diesjährigen Fest.

EKHN/NeetzPortrait AußenaufnahmeStellvertretende Kirchenpräsidentin Ulrike Scherf

Am Donnerstag ist Himmelfahrt – genauer gesagt: Jesu Christi Himmelfahrt. In der Bibel wird anschaulich erzählt, dass Jesus hoch in den Himmel aufgefahren ist. Eine Wolke nimmt ihn dort auf – und er ist nicht mehr zu sehen. Vorher war Jesus auch nach seinem Tod – als Auferstandener – bei seinen Jüngerinnen und Jüngern.

Sie konnten ihn sehen und ganz direkt mit ihm sprechen. Doch was ist jetzt? Jesus oben im Himmel – aufgefahren in den Himmel. Die Jünger, die dabei waren, können es erst einmal gar nicht fassen. Sie stehen da und blicken nach oben. Fassungslos – erstaunt – ungläubig. Und während sie da so stehen und nach oben schauen, kommen Menschen vorbei  und fragen: „Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ (Apg 1,11). Diese Frage verändert die Jünger: Sie blicken nicht weiter nach oben in den Himmel, sondern gehen wieder zurück nach Hause. Sie vertrauen, auch dort – mitten in ihrem Leben – weiter mit Jesus in Verbindung zu bleiben.

„Was steht ihr da und seht zum Himmel?“ Die Frage weist darauf hin: Gott ist nicht nur im Himmel, sondern eben auch ganz nah bei uns Menschen, hier auf der Erde. Gott ist vielleicht auch da, wo wir es nicht vermuten.

Gerade jetzt, wo wir immer noch viel körperliche Distanz halten müssen, kann ich Nähe auch in der Entfernung entdecken. Videochat mit Freundinnen oder Freunden statt Doppelkopfabend, Telefonate oder Mails anstelle von Besuchen. Ich habe gelernt: Auch auf die Entfernung fühle ich mich mit anderen verbunden und spüre Nähe. Anders zwar … aber es geht.

Vielleicht sind es diese besonderen Erfahrungen in diesem von der Coronakrise geprägten Jahr, die uns den Himmelfahrtstag etwas näher bringen: Gott ist ganz nah – auch wenn er in den Himmel aufgefahren ist. Verbunden trotz Distanz.

Ich denke da auch an die verschiedenen Gottesdienste, die ich online mitgefeiert habe und an die Fernsehgottesdienste. Und ich denke an die viele kreativen Ideen in unseren Gemeinden, Nähe und Verbundenheit trotz Distanz zum Ausdruck zu bringen: Andachten, die zu den Menschen kamen. Wäscheleinen mit Trost- und Hoffnungsbildern, Post zu Ostern … es gab viele gute analoge Ideen und ebenso viele gute digitale: Andachten, Gottesdienste, Musik.

Ich bin gespannt, wie nun unsere Gottesdienste unter besonderen Hygienebedingungen es schaffen werden, Verbundenheit und Gemeinschaft erfahrbar werden zu lassen. Manche berichten davon, dass dies gelingt – schon allein, weil man sich sieht und spürt. Gemeinsam betet. In der vertrauten Kirche ist. Andere sind skeptisch, können sich solche Gottesdienste kaum vorstellen, vor allem weil auf das gemeinsame Singen verzichtet werden muss. Wir werden Erfahrungen sammeln. Dabei können wir darauf vertrauen, dass wir als Glieder am Leib Christi zusammengehören und dass Gottes Nähe zu uns und unsere Verbundenheit miteinander nicht abhängig sind von körperlicher Nähe.

Ich hoffe, Sie spüren etwas von dieser göttlichen Nähe und von Gemeinschaft – heute an Himmelfahrt und auch sonst in der kommenden Zeit. Ich wünsche Ihnen einen schönen Himmelfahrtstag!

[Ulrike Scherf ist Stellvertretende Kirchenpräsidentin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau]

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