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„Arbeiter im Weinberg des Herrn“

Vor 20 Jahren starb der dritte hessen-nassauische Kirchenpräsident Helmut Hild

EKHNPortrait s/wHelmut Hild, Dritter Kirchenpräsident der EKHN.

Eigentlich wollte er Sportjournalist werden. Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs entschied sich Helmut Hild jedoch für den Pfarrberuf und schaffte es Mitte der 70er Jahre sogar an die Spitze der EKHN.

Er galt als nachdenklich, kühl und sachlich. Anders als sein charismatischer Vorvorgänger Martin Niemöller (1892-1984), der keinen Konflikt scheute und das Bad in der Menge suchte, war der dritte hessen-nassauische Kirchenpräsident Helmut Hild ein Mann des Ausgleichs und der Toleranz, ein Moderator und Versöhner, der gerne im Hintergrund wirkte. Gleichwohl wurde seine Stimme gehört und respektiert. Hild starb am 11. September 1999 im Alter von 78 Jahren in Darmstadt.

Die Amtszeit des evangelischen Theologen (1969 bis 1985) war geprägt von scharfen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, in denen die Landeskirche ihren Ruf als politisch und ökumenisch exponiert sowie offen und streitbar bestätigte. Dies galt für den Konflikt um die Unterstützung des Antirassismusprogramms des Weltkirchenrats ebenso wie für den Streit um die Anstellung von Pfarrvikaren mit einem DKP-Parteibuch und den Bau der Startbahn West des Frankfurter Flughafens.

Stets zum Dialog bereit

„In diesem schwierigen Bewährungsfeld“ habe der Kirchenpräsident immer den Respekt vor dem Andersdenkenden erkennen lassen und ihm das Gefühl vermittelt, Mitchrist zu sein, schreibt der frühere Synodenpräses Otto Rudolf Kissel in der Festschrift zu Hilds Verabschiedung 1985. Er sei stets zum Dialog bereit gewesen, „zum offenen Abwägen anderer Meinungen und Argumente, zum Infragestellen der eigenen Handlungsposition - allerdings ohne Aufgabe der eigenen, fest auf das Evangelium gegründeten Position“. 

Hild selbst verstand sich eher als „Arbeiter im Weinberg des Herrn“ denn als Prophet. Weggefährten aus Kirchen und Politik bescheinigten ihm Bescheidenheit, Aufrichtigkeit und Offenheit sowie politisches Denken kombiniert mit einer „tiefen Frömmigkeit“. Er lebte das, was er einmal von kirchlichen Äußerungen verlangte: Sie müssen sich auf das Wort Gottes beziehen, „klar im Inhalt und freundlich in der Form“.

Wirken außerhalb der EKHN

Auf eine Persönlichkeit wie Helmut Hild konnte auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nicht verzichten. Er war von 1973 bis 1985 stellvertretender Vorsitzender des Rates und repräsentierte bei vielen Anlässen den deutschen Protestantismus in der Ökumene, etwa 1975 auf der Vollversammlung des Weltkirchenrates im kenianischen Nairobi.

Hilds besonderes Engagement galt der Aussöhnung mit den Ländern des Ostens, insbesondere mit Polen, das er insgesamt 26 Mal besuchte. 1971 führte er die erste Delegation einer Landeskirche, 1973 eine weitere der Evangelischen Kirche in Deutschland nach Warschau. Für seine Verdienste um die deutsch-polnische Zusammenarbeit wurde er 1974 von der Christlich-theologischen Akademie in Warschau mit der Ehrendoktorwürde und vom polnischen Staat mit dessen Verdienstorden ausgezeichnet.

Frühe biografische Stationen

Helmut Hild wird am 23. Mai 1921 in Weinbach bei Weilburg als Sohn des dortigen Pfarrers geboren. Der Schüler liebt Geschichte, Literatur und Sport und liebäugelt damit, Sportjournalist zu werden. 1938 meldet sich der 16-jährige Abiturient freiwillig zur Wehrmacht, wo er an mehreren Fronten, zuletzt in Italien, im Einsatz ist. 1942 tritt er dem „Bund christlicher Offiziere“ bei, der über lockere Verbindungen zum Verschwörerkreis des 20. Juli verfügt. Zweifel kommen dem inzwischen zum Oberleutnant avancierten Hild aber erst in der Kriegsgefangenschaft in Italien. Dort reift sein Entschluss, das angestrebte Sport- und Germanistikstudium fahren zu lassen und Theologie zu studieren.

Besonders geprägt wird er an seinem Studienort Marburg an der Lahn von seinen akademischen Lehrern Rudolf Bultmann (1884-1976) und Paul Tillich (1886-1965): Bultmann schätzt er wegen seiner Bemühungen um ein modernes Bibelverständnis und die Entmythologisierung des Neuen Testaments, Tillich wegen seiner „tiefgründigen Analysen der Zeit und der Geschichte“. Seine „glücklichste Zeit“ verbringt Hild nach eigener Aussage Mitte der 50er Jahre als Gemeindepfarrer in Westerburg im Westerwald, wo er sonntags mitunter bis zu viermal predigt. Die von den Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit gezeichneten Menschen seien „in Scharen“ gekommen, um Gottes Wort zu hören.

Enger Kontakt zu den Medien

Ein besonderes Anliegen war Hild die Außenwirkung der Kirche. 1960 wurde er zum ersten hauptamtlichen Öffentlichkeitspfarrer der Landeskirche berufen, 1964 zum Vorsitzenden des Evangelischen Gemeindeverbands Frankfurt, dem Vorläufer des Regionalverbands. Später gehörte er dem Fernsehrat des ZDF an und war mehrere Jahre Vorstandsvorsitzender des Gemeinschaftswerks der Evangelischen Publizistik. Für seine Verdienste sprechen nicht zuletzt die Ehrungen aus dem staatlichen Bereich: die höchste Auszeichnung des Landes Hessen, die Wilhelm-Leuschner-Medaille (1976), sowie das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern (1981).

Heute trägt das Zentralarchiv und die Zentralbibliothek der EKHN in der Darmstädter Ahastraße seinen Namen. Helmut Hild wurde auf dem Alten Friedhof in Darmstadt bestattet.

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