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NS-Zeit

Tonbandmitschnitt von Frankfurter Auschwitz-Prozess online

fotoab.eu/pixelio.deGedenkstätte AuschwitzGedenkstätte Auschwitz

50 Jahre später berichten KZ-Opfer von den Verbrechen in Auschwitz. 430 Stunden ging der Prozess gegen den SS-Mann Robert Mulka in Frankfurt. Nun sind die Tonband-Aufnahmen im Internet zugänglich.

Der Tonbandmitschnitt des ersten Frankfurter Auschwitz-Prozesses ist ab sofort im Internet verfügbar. Anlässlich des 50. Jahrestags des Prozessbeginns haben das Hessische Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden und das Frankfurter Fritz-Bauer-Institut den 430-stündigen Mitschnitt der Zeugenvernehmungen in der „Strafsache gegen Mulka u.a.“ unter www.auschwitz-prozess.de online gestellt. Die 103 Tonbänder mit den Aussagen von 318 Zeugen, davon 181 Auschwitz-Überlebende, seien ein „herausragendes historisches Zeugnis“, sagte der Leiter des Hauptstaatsarchivs, Klaus Eiler, bei der Präsentation am Montag in Frankfurt am Main. Am 20. Dezember 1963 begann der erste Frankfurter Auschwitz-Prozess.

Der gesamte Audio-Mitschnitt samt den Transkriptionen in zwei Formaten (html- und pdf-Format) sind über die Website zugänglich. Zu hören sind dort die Stimmen der Opfer, die die Verbrechen von Auschwitz bezeugen, sowie die Ausflüchte der SS-Zeugen und die Einlassungen der Angeklagten, die alle Mitverantwortung an den Gräueltaten leugnen. Verfügbar sind auch das Plädoyer von Staatsanwalt Joachim Kügler, die Schlussvorträge von zehn Verteidigern, die elfstündige Urteilsbegründung des Gerichtsvorsitzenden Hans Hofmeyer sowie eine Reihe von Texten und Materialien.

Der Archivleiter des Fritz-Bauer-Instituts, Werner Renz, wertete es als Glücksfall, dass die ursprünglich zur „Stützung des Gedächtnisses des Gerichts“ angefertigten Tonbandmitschnitte nach der Urteilsverkündung nicht vernichtet wurden. Die Archivierung der Bänder bei der Staatsanwaltschaft des Landgerichts Frankfurt sei einem Erlass des damaligen hessischen Justizministers Lauritz Lauritzen (SPD) vom September 1965 zu verdanken. Die Mitschnitte seien 1988 wieder aufgefunden und ein Jahr später dem Hauptstaatsarchiv zur Verwahrung übereignet worden.

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