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Ausbildungskurs und Spendenkation

Sterbebegleitung in Corona-Zeiten

bbiew

Die Begleitung von Sterbenden ist in Corona-Zeiten nur eingeschränkt möglich, bleibt aber unverzichtbar. Das berichteten die Koordinatorin des Hospizdienstes Odenwald Felicia Schöner und vier Ehrenamtliche bei einem Ortstermin mit dem Bergsträßer Dekan Arno Kreh. Das Treffen fand im Freien vor den Räumlichkeiten des Hospizdienstes in Wald-Michelbach statt.

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„Abstand halten, Kontakte einschränken und Hygieneregeln sind zwingend notwendig, aber für die Betroffenen bedeuten sie einen Verlust an Lebensqualität“, betonte Felicia Schöner und fragte: „Was machen wir, wenn Sterbende die Hand halten wollen?“ Was für Menschen in der letzten Lebensphase möglich gemacht werden könne und wie oft sie Besuche bekämen, sei eine Frage der Abwägung. Früher hätten die Sterbebegleiterinnen und Sterbebegleiter am Bett oft gesungen. „Dies ist nicht nur wegen der Maske derzeit nicht möglich. So spielen wir jetzt auf einem Tablet Musik ab“, berichtete die Koordinatorin des Hospizdienstes. Die Coronakrise habe ihr nochmals bewusst gemacht, wie wertvoll Begegnungen und Fürsorge für Sterbende seien. Benjamin Kurz, der Leiter der Diakoniestation, die im gleichen Gebäude wie der Hospizdienst untergebracht ist, berichtete von ähnlichen Herausforderungen, vor denen Pflegekräfte stehen. „Es ist deshalb wichtig und fruchtbar, das wir uns auf kurzem Weg stets mit dem Hospizdienst austauschen können.“

"Das ist mir sehr nahe gegangen"

Die Sterbebegleitung finde in den Einrichtungen oder zu Hause statt. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass eine Einrichtung wegen eines Corona-Verdachtfalls keinen Zutritt gewährte. Diese Erfahrung musste Claudia Lenhardt machen. „Ich habe eine 90jährige Frau begleitet. Zwei Tage nachdem das Pflegeheim den Besuch untersagte, ist sie allein gestorben. Das ist mir sehr nahe gegangen.“ Ingeborg Novotny-Kumpf, die ebenfalls zum Kreis der Ehrenamtlichen gehört, besucht Menschen zu Hause stets mit FFP2-Maske, die einen wirksameren Schutz bietet als die üblichen Mund-Nase-Bedeckungen. „Ich merke, wie Menschen, die sonst wenig Besuch bekommen, redselig werden. Das ist eine schöne Erfahrung.“. Etliche Ehrenamtliche können derzeit keine Besuche machen, weil sie aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören. Reiner Knopf wäre nach eigenen Angaben dazu dennoch bereit. „Zurzeit werde ich aber nicht eingesetzt.“ Armgard Schmitt muss ebenfalls auf Besuche verzichten, hält aber Kontakt, indem sie Karten schreibt. „Es sind oft Menschen, die es nicht gewohnt sind, Post zu bekommen. Ein Schwerstkranker, der selbst nicht mehr lesen kann, lässt sich die Karten immer wieder vorlesen.“

Anspruchsvolles Ehrenamt

Seelsorge und Sterbebegleitung müssten möglich bleiben, sagte Dekan Arno Kreh. „Als Kirche wollen und können wir Menschen auf ihrem letzten Lebensweg nicht allein lassen.“ Die Hospizarbeit bezeichnete er als „sehr anspruchsvolles Ehrenamt.“ Die Mitarbeitenden wurden intensiv geschult und auf ihre Aufgaben vorbereitet. Im März nächsten Jahres will Felicia Schöner einen neuen Ausbildungskurs für Ehrenamtliche starten, sofern es die Infektionslage zulässt. Die Ausbildung mit umfasst 90 Stunden plus Praktikum und erstreckt sich über ein ganzes Jahr. Der Hospizdienst Odenwald befindet sich in Trägerschaft des Evangelischen Dekanats Bergstraße. Er ist in den Überwald-Gemeinden, im Weschnitztal und in Lindenfels aktiv.

Spendenaktion und Trauer-Café

Das Evangelische Dekanat hat für den Hospizdienst eine Spendenaktion initiiert. „Wir haben frühere Spender, aber auch Firmen und Unternehmen in der Region angeschrieben. Nach kurzer Zeit sind bereits rund 1000 Euro eingegangen. Es dürfen gern noch mehr werden“, teilte der Fundraiser des Dekanats Christian Rupp mit. Das Geld wird nach Angaben des Hospizdienstes insbesondere für die Ehrenamtlichen benötigt – etwa für die Anschaffung von Tablets oder auch für das Trauer-Café, das zum ersten und bislang einzigen Mal im Oktober stattfand und auf große Resonanz stieß. „Sobald wie möglich laden wir kommenden Jahr wieder zum Trauer-Café ein“, kündigte Felicia Schöner an. Der Termin im November musste wegen des Teil-Lockdowns abgesagt werden.

Das Spendenkonto des Hospizdienstes:
Evang. RVV Starkenburg-West
Kreissparkasse Groß-Gerau
IBAN: DE 36 5085 2553 0003 0065 09
BIC: HELADEF1GRG
Stichwort: "Hospiz-6098"

Kontakt:
Hospizdienst Odenwald
Am Bahnhof 8
69483 Wald-Michelbach
Felicia Schöner (Koordinatorin)
Tel.: 06207 – 948053
E-Mail: Hospizdienst.Odenwald@ekhn.de
Weitere Informationen über den Hospizdienst hier

Hinweis:Zu den Besuchsbeschränkungen in Alten- und Pflegeheimen während der COVID-19-Pandemie lädt die Evangelische Akademie Frankfurt am 14. Dezember von 19 bis 20.15 Uhr zu einer Online-Veranstaltung ein. Weitere Informationen hier

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