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Uni Mainz

Prof. Dr. phil. Dr. theol. Otto Böcher gestorben

pixabay/stuxEngelstatue mit Rose (Detail)Prof. Dr. phil. Dr. theol. Otto Böcher (12.03.1935 – 27.02.2020)

Kurz vor der Feier seines 85. Geburtstags ist Prof. Dr. Dr. Otto Böcher am 27.02.2020 gestorben. Mit ihm geht ein Wissenschaftler, der über viele Jahrzehnte als Forscher Generationen von Studierenden in Saarbrücken und Mainz und die Öffentlichkeit seiner rheinhessischen Heimat nachhaltig geprägt hat.

Nachruf der Ev.-theol. Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Nach einem Studium der Kunstgeschichte, der Evangelischen Theologie und der Philosophie wurde Böcher bereits 1958 als Dreiundzwanzigjähriger mit einer Dissertation über die Alte Synagoge in Worms in der kunstgeschichtlichen Fakultät promoviert. Diese Arbeit war ein Meilenstein und wurde in immer neuen Auflagen nachgedruckt. Wenige Jahre später schloss sich die theologische Dissertation über den johanneischen Dualismus an, die er teilweise neben dem Vikariat in Wiesbaden und der Pfarrstelle in Selzen schrieb. Neben die damit gesetzten Schwerpunkte in Kunstgeschichte, Neues Testament und Judaica traten dann bald auch territorialgeschichtliche und religionsgeschichtliche Forschungen. So untersuchte er in seiner Habilitationsschrift, die zweibändig publiziert wurde, das Verhältnis von Dämonologie und christlicher Taufe.

Otto Böcher hätte seinerzeit ebenso gut in der Kunstgeschichte habilitieren können. Das Angebot einer Assistentenstelle in der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Mainz fügte dann jedoch den Weg in eine Professur im Fach Neues Testament. Diese bekleidete er, nachdem er zunächst in Saarbrücken gelehrt hat, an der Johannes Gutenberg-Universität von 1978 bis zur Emeritierung im Jahr 2003 in Mainz.

Im Jahr 2005 überreichten sein ehemaliger Assistent Michael Wolter und sein Kollege Friedrich W. Horn anlässlich des 70. Geburtstags eine voluminöse Festschrift, die der Johannesoffenbarung und ihrer Auslegung gewidmet war. Diese Schrift nämlich war es, die Otto Böcher kontinuierlich erforschte und zu der er beständig publizierte. Hier trafen sich seine kunstgeschichtlichen, judaistischen und exegetisch-theologischen Interessen. In dem großen Artikel zur Johannesoffenbarung in dem Reallexikon für Antike und Christentum 18, 1998, hat er seine theologisch-historische Sicht zu dieser Schrift festgehalten, in der Monographie Johannesoffenbarung und Kirchenbau aus dem Jahr 2010 widmet er sich der Rezeption dieses letzten Buchs des Neuen Testaments in der Architektur- und Kunstgeschichte. Otto Böcher hat darüber hinaus sehr viel, beständig und ohne Unterbrechung publiziert, gerade auch zur Johannesoffenbarung. Die von Traudel Himmighöfer im Jahr 2005 veröffentlichte, aber dann privat weitergeführte Bibliographie zählt doppelt so viele kunstgeschichtliche wie bibelwissenschaftliche Publikationen. Als besondere Schwerpunkte nannte Böcher die Jüdische Kunstgeschichte und Epigraphik sowie die Architektur der Stauferzeit, insbesondere den Synagogenbau des 12. und 13. Jahrhunderts. Rheinhessen zwischen Worms, seiner Heimatstadt, und Mainz war ihm kunstgeschichtlich und landeskundlich mehr als vertraut.

Otto Böcher hat etliche Ehrungen und Widmungen erhalten. Am 27. Juni 2014 wurde ihm der Ehrenring der Stadt Worms verliehen, im gleichen Jahr der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Die Breite des wissenschaftlichen Werks und die Beteiligung in Kommissionen, Institutionen und Gesellschaften sind enorm und können hier nicht aufgezählt werden. Otto Böcher führte eine rege Korrespondenz und pflegte bis zuletzt den handschriftlichen, mit Füllfederhalter geschriebenen Brief.

Otto Böcher war ein fröhlicher, dem Leben und der Gemeinschaft zugewandter Kollege. Mit den unruhigen Zeiten in den Universitäten konnte er schlecht umgehen, zumal er eine irenische Grundhaltung hatte. Wer ihn in Mainz-Drais besuchte, trat in ein kleines Museum ein und begegnete einer unermüdlichen, das Leben prägenden Sammelleidenschaft. Bis zuletzt konnte Otto Böcher aus seinem reichen und präsenten Wissen Zusammenhänge zwischen Kunst und Theologie, Geschichte und Philosophie herstellen. Es gehört zur Bescheidenheit des Verstorbenen, dass er stets seine eigenen Lehrer in Kunstgeschichte, jüdischer Theologie und Neuem Testament dankbar erwähnte, auch wenn er nie einer Schule oder Richtung zugeordnet werden mochte: Fritz Arens, Walter Paatz, Eugen Ludwig Rapp, Gustav Stählin.

Die Universität Mainz hat durch den Tod Otto Böchers einen großen Wissenschaftler und eine eindrucksvolle Persönlichkeit verloren. Sie wird seinen Namen in ehrendem Gedenken halten.

Die Trauerfeier findet am Freitag, 6.3.2020, 10.00 Uhr in der Christuskirche Mainz statt, mit anschließender Beisetzung (12.00 Uhr) auf dem Bezirksfriedhof West (bei Drais).

Prof. Dr. Friedrich W. Horn

Prof. Dr. Ruben Zimmermann, Dekan

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