Menümobile menu

Kirche und globale Herausforderungen

"Keine Kirche aus dem Weltkirchenrat ausschließen"

© oikoumene.org, WCCLogo der 11. ÖRK-VollversammlungDas Logo der 11. ÖRK-Vollversammlung umfasst vier Elemente: das Kreuz, die Taube, den Kreis und den Weg

Am 31. August startet das internationale Kirchentreffen, die ÖRK-Vollversammlung in Karlsruhe. Bei einem Besuch in der Ukraine sucht eine ÖRK-Delegation den Dialog. Laut ukrainischen Angaben seinen 183 religiöse Stätten durch den Krieg zerstört. Zudem stand die Frage im Raum, ob die russisch-orthodoxe Kirche ausgeschlossen werden soll.

Kirchen aus Neuseeland, Afrika, Europa und vielen anderen Regionen der Welt blicken auf die Zeit zwischen dem 31. August und dem 8. September 2022: Dann werden viele Kirchenvertreter:innen an der globalen 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Karlsruhe teilnehmen. „Die Stärke der ÖRK-Vollversammlung ist, dass sie ein internationales Forum von Kirchen aus aller Welt darstellt. Auch viele Kirchen aus ärmeren Ländern sind dabei. Sie haben eine Stimme und werden ihre Sichtweise auf das Geschehen in der Welt einbringen,“ erklärt Pfarrerin Sabine Müller-Langsdorf, Referentin für Friedensarbeit im Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW.

183 zerstörte religiöse Stätten in der Ukraine

Deutliche Willkommenssignale an Vertreter:innen ukrainer Kirchen hat Pastor Prof. Dr. Ioan Sauca, der geschäftsführende Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), übermittelt. Mit einer Delegation hatte er Anfang August 2022 die Ukraine besucht. Die Gruppe hatte hochrangige Vertreter:innen der lokalen christlichen Kirchen und Religionsgemeinschaften sowie staatliche Vertreter:innen getroffen, wie beispielsweise den Kiewer Metropoliten Onufrij, Oberhaupt der Ukrainisch-orthodoxen Kirche.  „Wir sind hierhergekommen, um unsere Solidarität mit den Menschen in der Ukraine zu zeigen und sicherzustellen, dass die Stimme der Ukraine auf der bevorstehenden Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Karlsruhe gehört wird,“ sagte ÖRK-Generalsekretär Ioan Sauca während eines Treffens mit dem Staatlichen Dienst für ethnische Angelegenheiten und Gewissensfreiheit. Nach Angaben dieser Behörde sollen bis jetzt 183 religiöse Stätten in 14 Regionen der Ukraine völlig oder teilweise durch die Angriffe Russlands zerstört worden sein. Darunter seien auch Kirchen, Moscheen, Synagogen, Bildungs- und Verwaltungs-Gebäude der Religionsgemeinschaften.

Sollen auch Vertreter:innen aus Russland teilnehmen?

Im Gespräch mit dem Minister für Kultur und Informationspolitik in der Ukraine, Oleksandr Tkachenko, stand auch die Frage im Raum, ob die russisch-orthodoxe Kirche aus dem ÖRK während des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ausgeschlossen werde. Der ÖRK-Generalsekretär betonte: „Der ÖRK wurde gegründet, um den Dialog zwischen den Kirchen zu fördern, die nicht miteinander im Einvernehmen sind. Deshalb streben wir nicht an auszuschließen, aber unsere Mitglieder herauszufordern, für Frieden und Gerechtigkeit zu arbeiten.“ Der ukrainische Minister Tkachenko teilte schließlich mit, dass er anfrage werde, damit eine adäquate Anzahl Ukrainer:innen beim ÖRK-Treffen teilnehmen könne, um über sich selbst und Realitäten in der Ukraine zu sprechen.
Laut dem epd würden nach Karlsruhe sowohl eine Delegation der russisch-orthodoxen Kirche als auch der Orthodoxen Kirche in der Ukraine kommen, sagte Marc Witzenbacher, Leiter des EKD-Koordinierungsbüros im Juli 2022.

Friedenspfarrerin setzt auf Dialog

Auch Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf befürwortet, wenn keine Kirche aus der ÖRK-Vollversammlung ausgeschlossen wird, auch keine Kirche aus Russland: „Ein Verbot wäre nicht der richtige Weg. Wenn man Veränderungen und Verhandlungen möchte, braucht es dazu Kommunikation und Vertrauen. Das baut sich nur auf, wenn man sich begegnet.“ Dabei sieht sie Martin Niemöller als Vorbild, der als damaliger Leiter des kirchlichen Außenamts der EKD als einer der ersten Deutschen nach dem 2. Weltkrieg nach Russland gefahren ist, „um Gesprächskorridore zu ermöglichen.“ Wie sich der damalige Dialog mit Russland entwickelte, zeigt die ARD-Mediathek. Deshalb betont Pfarrerin Müller-Langsdorf: „Es geht nicht darum, Feindbilder zu stärken, sondern Brücken der Verständigung zu bauen. Aus meiner Sicht ist es die richtige Haltung, auf Verständigung zu setzen, weil sie konstruktiv voranführt.“

Der epd hat zudem drüber informiert, dass die Orthodoxe Kirche in der Ukraine einen Antrag auf Aufnahme in den Rat gestellt habe. Der Moskauer Patriarch Kyrill von der russisch-orthodoxen Kirche, der als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putins gilt, sei zu keinem Zeitpunkt als Teilnehmer der Vollversammlung im Gespräch gewesen, betonte er.

Herausfordernde, aktuelle Themen im Fokus

Die Friedenpfarrerin berichtet, dass für die Delegierten in Karlsruhe große, politische Themen auf dem Programm stehen, wie „Covid und die Folgen für Kirche und Gesellschaft“, „Gefährdung von Demokratien durch autoritäre Regime“, die zunehmende Militarisierung, Klimagerechtigkeit, Rassismus und die wachsende ökonomische Ungerechtigkeit. Angesichts der herausfordernden Themen lautet das hoffnungsvolle Motto: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. Zur Vollversammlung werden rund 4.000 Teilnehmende aus aller Welt erwartet. Der Hauptveranstaltungsort für die Vollversammlung wird die im Zentrum der Stadt liegende Messe Karlsruhe sein. Ihre Eindrücke vor Ort wird die Theologin und Biologielehrerin Aki Hild auf ihrem Instagram-Account teilen.

Teilnehmen am Fahrradpilgerweg

Am 31. August werden Teilnehmer:innen und Besucher:innen sternenförmig aus allen Himmelsrichtungen um 12 Uhr zum Fahrradgottesdienst auf dem Marktplatz in Karlsruhe eintreffen. Die Nordroute des Fahrradpilgerweges startet in der EKHN in Bensheim am 29. August und führt über Schwetzingen und Philippsburg in die badische Residenzstadt. Noch können sich Interessierte für die Tour anmelden.
Anmelden zum Fahrradpilgerweg

Ausstellung über gewaltlose Konfliktlösungen

Die EKHN wird sich am ÖRK beteiligen, auch wenn offiziell keine Delegierten aus dem hessen-nassauischen Kirchengebiet an der Vollversammlung teilnehmen. Allerdings gestaltet die EKHN aktiv das Begleitprogramm in Karlsruhe für Besucher:innen mit.

Zum Begleitprogramm des ÖRK

So präsentiert sie die Ausstellung „Frieden geht anders“ und zeigt damit, wie gewaltfreie Konfliktlösungen bei unterschiedlichen Konflikten erfolgreich in der Praxis bereits umgesetzt wurden. „In den Medien wird oft den Ruf nach Waffenlieferungen laut, gegenwärtig stehen in Zusammenhang mit dem Ukraine-Krieg gewaltsame Maßnahmen im Mittelpunkt. Deshalb wollen wir mit dieser Ausstellung ins Bewusstsein bringen, wie wirksam gewaltfreie Konfliktlösungen sein können“, erklärt Daniel Untch, Referent für Friedensbildung im Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW. Er organisiert die kostenfrei zu besichtigende Ausstellung in der Neuapostolischen Kirche in der Karlsruher Karlstraße 57-59, außerhalb des Messegeländes. Der Ort wurde zum Zentrum „Frieden und Gerechtigkeit“ umgestaltet.
Ausstellung „Frieden geht anders“

An diesem Ort in der Karlstraße sind auch Einzelveranstaltungen mit Beteiligung der EKHN geplant:

  • Workshop-Beitrag von Friedenspfarrerin Sabine Müller-Langsdorf über die „Europäische Grenzsicherung“ am 2. September 2022 ab 15 Uhr
  • Veranstaltung „Klima und Konflikt“: Hier werden Fragen wie diese aufgegriffen: Wie trägt das Militär zum Klimawandel bei? Wie werden Konflikte durch den Klimawandel verschärft? (Termin folgt)

Ökumenische Begegnungen in Hessen-Nassau

Auch Interessierte in der EKHN, erhalten die Möglichkeit, Delegierten der ÖRK-Vollversammlung zu begegnen. Bei mehreren Exkursionen können die Delegierten aus aller Welt unterschiedliche Begegnungsorte kennenlernen. Einige führen auch ins hessen-nassauische Kirchengebiet. „Wir geben den Delegierten die Möglichkeit, das multikulturelle Frankfurt und die sozialen Herausforderungen kennen zu lernen“, berichtet Mechthild Gunkel. Gemeinsam mit Dr. Annegreth Schilling der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Frankfurt (ACK) plant sie das Besuchsprogramm. Dazu gehören Besuche der Anne-Frank-Bildungstätte, des Bibelhaus Erlebnismuseums, ein Mittagessen mit dem katholischen Stadtdekan sowie Rundgänge durch das Bahnhofsviertel. Auch ein Ökumenischer Schöpfungsgottesdienst ab 17 Uhr am Samstag, 3. September 2022, im Frankfurter Grüneburgpark gehört dazu. Im Anschluss besteht die Gelegenheit, mit Kirchenvertreter:innen aus anderen Ländern bei einem kleinen Imbiss ins Gespräch zu kommen. „Das ist eine wunderbare Möglichkeit, mit anderen christlichen Gemeinschaften in Kontakt zu kommen, sich gegenseitig in diesen Krisenzeiten zu stärken“, freut sich Pfarrerin Gunkel. Am Sonntag sei zudem ein weiterer Gottesdienst mit Begegnungsmöglichkeiten im Anschluss geplant.

  • Samstag, 3. September 2022
    17:00 Uhr Ökumenischer Schöpfungsgottesdienst in der Anglican Episcopal Church bei Regen, bei gutem Wetter unter freiem Himmel, Sebastian-Rinz-Str. / Grüneburgpark
  • Sonntag, 4. September 2022
    10.30– 13:00 Uhr Gottesdienst in der frz.-reformierten Gemeinde, anschließend Mittagessen und Begegnung

 

Hintergrund:

Eine ÖRK-Vollversammlung ist die umfassendste Zusammenkunft von Christinnen und Christen  weltweit. Eine Vollversammlung ist ein besonderes Ereignis im Leben der Mitgliedskirchen, der ökumenischen Partner und anderer Kirchen, denn sie bringt mehr als 4.000 Teilnehmende aus allen Ecken der Welt an einem Ort zusammen. Sie ist eine Möglichkeit für die Kirchen, ihr Engagement für die sichtbare Einheit und das gemeinsame Zeugnis auszudrücken. Die 11. Vollversammlung des ÖRK wird auf gemeinsame Einladung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelischen Landeskirche in Baden, der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK), der Union der Protestantischen Kirchen von Elsass und Lothringen (UEPAL) und der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz in Karlsruhe (Deutschland) stattfinden.

Karlsruhe 2022 - 11. Vollversammlung des ÖRK

mehr über Ökumene

mehr über "Frieden statt Gewalt"

zum Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW

zum Ökumenischen Rat der Kirchen

© epd: Einige Textteile sind dem epd entnommen. epd-Nachrichten sind urheberrechtlich geschützt. Sie dienen hier ausschließlich der persönlichen Information. Jede weitergehende Nutzung, insbesondere ihre Vervielfältigung, Veröffentlichung oder Speicherung in Datenbanken sowie jegliche gewerbliche Nutzung oder Weitergabe an Dritte ist nicht gestattet.

[epd/rh]

to top