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Umgang mit Kritik

Fairness für Auszubildende

AL Quarfoth/istockphoto.combeim FrisörUnter welchen Bedingungen fühlen sich Auszubildende wohl am Arbeitsplatz?

In Deutschland brechen über 25 % der Auszubildenden in handwerklichen Berufen ihre Lehre ab. Bei Frisören, Köchen und Restaurantfachleuten ist es sogar jeder Zweite. Pfarrerin Sandra Matz hat sich bei ihrer Friseurin umgehört, wie es in ihrem Laden mit den Azubis klappt. Davon hat die Pfarrerin auf hr1 im „Zuspruch“ berichtet.

Radio-Andacht von Pfarrerin Sandra Matz:

Ich gehöre zu den Frauen, die eine Stammfrisörin haben. Meine heißt Ayten. Ihr Salon ist ein richtiger Familienbetrieb. Nicht nur das Knowhow rund um meine Haare, ihre Beratung und der Kaffee begeistern mich. Ich liebe diesen kleinen Salon auch wegen der fröhlichen Atmosphäre unter den Angestellten. Das geht dann auch auf mich als Kundin über. Ein Lächeln hier - ein Pläuschchen da.

Kritik unter vier Augen - Lob in großer Runde

Der Salon bildet schon länger aus. Im Moment gibt es drei Azubis. Ayten schwärmt: „Das läuft wirklich prima. Eine hat gerade erst angefangen, eine hat noch ein Jahr und die dritte steht kurz vor der Prüfung.“ Ganz wichtig sind die regelmäßigen Teamtreffen, sagt Ayten. Dabei gibt es eine Regel: Kritik wird immer nur unter vier Augen gesagt – Lob in der großen Runde vor allen. Das gefällt mir gut. Und es ist sogar gut biblisch. Jesus sagt: Wenn dich am anderen etwas stört, dann gehe zuerst zu ihm und besprich es „zwischen dir und ihm allein“. (Matthäus 18,15)

Geschützten Rahmen bieten

Denn Dinge zu hören, die jemand anderem nicht an mir gefallen – das ist gar nicht so leicht. In einem geschützten Rahmen wie in einem Gespräch unter vier Augen kann ich viel besser damit umgehen. Vor allem, wenn ich merke: Der andere will mich nicht runtermachen, sondern ist mir gegenüber positiv eingestellt.

Überwindung ermöglicht Veränderung

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie das war in meiner Ausbildung zur Pfarrerin. Da gab es natürlich auch Dinge, mit denen ICH nicht zufrieden war. Damals hat es mich sehr viel Überwindung gekostet, meine Kritik gegenüber meinen Ausbildern selbstbewusst zu äußern. Manchmal habe ich sie lieber für mich behalten. Aber auch die, die ausbilden, sind nicht fehlerfrei und können nur die Dinge ändern, von denen sie auch wissen. 

Respekt und Vertrauen wachsen da am besten, wo man regelmäßig freundlich miteinander redet und Kritik oder Bedenken in einem geschützten Rahmen offen ansprechen kann. Und dafür sind beide gefordert – Ausbilder und Azubi. Um gut Tango zu tanzen, braucht es zwei. 

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